Garantie und Gewährleistung: Was ist der Unterschied?

Garantie und Gewährleistung: Was ist der Unterschied?

Auch wenn es im Alltag oft verwechselt wird, sind Garantie und Gewährleistung nicht das gleiche. Es gibt nämlich erhebliche Unterschiede zwischen diesen beiden Systemen. Insbesondere als Händler lohnt es sich, diese Unterschiede zu kennen, um im Falle eines Defekts oder Mangels an einem Produkt entsprechend handeln zu können.

In diesem Beitrag erfährst du alles rund um das Thema Garantie und Gewährleistung. Ebenso zeige ich dir anhand einer kleinen Grafik, welche wesentlichen Unterschiede es zwischen der Garantie und der Gewährleistung gibt.

Die Gewährleistung

Als erstes schauen wir uns die Gewährleistung (auch als Mängelhaftung bekannt) an. Sie deckt grundsätzlich alle Mängel ab, die ein Produkt schon zum Zeitpunkt des Kaufs hatte. Die Gewährleistung ist für alle Händler gesetzlich verpflichtend (§§ 437, 438 BGB).

Demnach muss jeder Händler insgesamt zwei Jahre Gewährleistung auf Neuwaren und ein Jahr auf Gebrauchtwaren einräumen. Eine Ausnahme gibt es nur für Privatpersonen, die sämtliche Gewährleistungsansprüche über einen einfachen Hinweis im Verkaufstext ausschließen können.

Bei Feststellung eines Mangels durch den Käufer, muss der Verkäufer das betroffene Produkt im Rahmen der Gewährleistung entweder reparieren oder durch eine Nachlieferung ersetzen. Scheitert die Reparatur zweimal oder findet keine Ersatzlieferung statt, so hat der Käufer in der Regel Anspruch auf eine Rückerstattung des gezahlten Betrages.

Besonderheit der Beweislast:

In den ersten sechs Monaten nach dem Kauf liegt die Beweislast beim Händler. Wenn du also als Händler der Ansicht bist, dass ein bestimmter Mangel erst nach dem Kauf entstanden ist, dann musst du das auch beweisen können. Weil das schwierig ist, wirst du in den meisten Fällen deiner gesetzlichen Verpflichtung zur Gewährleistung nachkommen und das Produkt entweder reparieren oder ersetzen müssen.

Nach Ablauf dieser Zeit gibt es eine Beweislastumkehr: Der Käufer muss dann selbst nachweisen, dass ein bestimmter Mangel bereits zum Zeitpunkt des Kaufs bestanden kann. Kann er das nicht, ist er auf die Kulanz des jeweiligen Händlers angewiesen.

Kürzlich hat das Verbraucherschutzministerium diese Beweislastumkehr von bisher sechs Monaten auf ein Jahr verlängert. Diese Neuerung wird voraussichtlich ab dem 1. Januar 2022 gelten.

Die Garantie

Kommen wir nun zur Garantie. Sie ist im Unterschied zur Gewährleistung nicht im Gesetz verankert und es gibt daher keine gesetzliche Verpflichtung dazu.

Die Garantie ist eine zusätzliche, freiwillige Leistung des Herstellers oder des Händlers – meist wird sie jedoch von Herstellern angeboten. Hier können Hersteller oder Händler als Garantiegeber selbst entscheiden, was die Garantie abdecken soll und wie lange die Dauer gilt.

Meist wird garantiert, dass das Produkt bei normalem Gebrauch für ein bis zwei Jahre einwandfrei funktioniert. Allerdings ist die Garantiezusage oft nur auf die Funktionsfähigkeit bestimmter Teile bezogen. Verschleißteile wie zum Beispiel Akkus sind häufig von der Garantie ausgeschlossen. Garantien sind heute vor allem bei elektronischen Waren üblich.

Der Zustand des Produktes bei Kauf spielt im Gegensatz zur Gewährleistung keine Rolle. Denn die Garantie greift für die gesamte Garantiedauer, egal ob der Mangel zum Zeitpunkt des Kaufs bestand oder erst danach entstanden ist.

Da die Garantie eine freiwillige Leistung ist, gibt es zudem keine einheitlichen Vorgehensweisen. In der Praxis sind deshalb sehr unterschiedliche Garantiearten zu sehen. Zwei Beispiele sind der Vor-Ort-Service oder der direkte Austausch von Produkten.

Freie Wahl im Falle einer Reklamation

Käufer können in der Regel selbst wählen, nach welchem System (Garantie oder Gewährleistung) sie ihr Produkt reklamieren möchten. Diese freie Wahl setzt voraus, dass sowohl Garantie als auch Gewährleitung noch laufen und aktiv sind.

Die Entscheidung für ein System und gleichzeitig gegen das andere System ist in einigen Fällen sehr sinnvoll. So beinhaltet beispielsweise die Garantie oft nur eine Reparatur, während bei der Gewährleistung im Zweifel auch das Geld vom Käufer zurückverlangt werden kann, falls eine Reparatur zweimal gescheitert ist und auch ein Austausch nicht erfolgreich oder möglich war.

Garantie und Gewährleistung im Überblick

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Gewährleistung in der Verantwortung des Händlers und die Garantie in der Verantwortung des Herstellers (in manchen Fällen Händlers) liegt.

In der folgenden Grafik findest du die wichtigsten Details noch einmal übersichtlich dargestellt:

Garantie und Gewährleistung Unterschiede

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